Frau Bundeskanzlerin wird mit einer Rede am 6. Februar die 45. Münchner Sicherheitskonferenz im Luxushotel Bayrischer Hof eröffnen,(1). In einer Auftaktveranstaltung wird Frau Bundeskanzlerin den neuen „Schirmherrn“, der ehemaligen „Wehrkundetagung“, heute „Sicherheitskonferenz“, Wolfgang Ischinger in sein Amt einführen, der die Nachfolge von Horst Teltschik antritt.
Wie seit 1962 Tradition treffen sich Anfang Februar internationale Politiker, Vertreter des Militärs und der Wirtschaft und, nicht zu vergessen, die Spezialisten der Rüstungsindustrie zur Sicherheitskonferenz in München. Auf der Gästeliste stehen unter anderem Europas größter Kriegswaffenproduzent EADS, die Siemens AG, der Münchner Panzerbauer Kraus-Maffei-Wegmann, Diehl & Co, Rohde & Schwarz, Rheinmetall bis hin zum weltweit größten Luft- und Raumfahrtkonzern Boeing.
Über den „parteilosen Schwaben“ Ischinger weiß ein Artikel der Friedens AG zu berichten, das der nach einer zweijährigen Tätigkeit bei UN-Generalsekretär Kurt Waldheim 1975 in den Auswärtigen Dienst eintrat und als Botschafter unter anderem nach Paris und Washington geschickt wurde. „Von 1993 bis 1998 war er unter Minister Kinkel Politischer Direktor im Auswärtigen Amt, in den folgenden drei Jahren unter Fischer Staatssekretär. Pünktlich zum 11. September 2001 wurde er erneut Botschafter in den USA und wechselte 2006 in derselben Funktion nach Großbritannien. Obwohl er im Mai 2008 in die Privatwirtschaft ging – als »Global Head of Governmental Affairs« des Allianz-Konzerns –, wird er auf der Website der Sicherheitskonferenz weiter als Botschafter geführt.“(3)
Ischinger „der erfahrene deutsche Spitzendiplomat“ war schon zuvor 10 Jahre lang für die organisation der Sicherheitskonferenz mitverantwortlich, mit ihm soll sie - frei von protokollarischen Zwängen offizieller Gipfel – als Bühne für die außenpolitischen Interessen der deutschen Bundesregierung ausgebaut werden.(2) So kündigte Ischinger im Vorfeld eine von ihm ins Leben gerufene Kooperation mit der Körber-Stiftung den „Munich Young Leaders Round Table on Security Policy“ an, mit der solle der „außenpolitische Führungsnachwuchs“ gefördert werden, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der Körber-Stiftung und Sicherheitskonferenz.(„Vater“ der Körber Stiftung Kurt A. Körber war zur Zeit des zweiten Weltkriegs Direktor einer Maschinenfabrik und erfand angeblich ein Ortungsgerät, welches beim Militär gut ankam. Später gründete er die Körber AG, die zu beginn der 80er Jahre zum Weltmarktführer in der Schleifmaschinentechnik wurde. Mit der Technik der Körber AG wurden auch Teile des Kampfflugzeugs Tornado hergestellt.) Die Gruppe des Munich Young Leaders Round Table on Security Policy setzt sich aus ca 25 jungen Vertretern von Regierungen, Parlamenten, Think Tanks und Unternehmen aus Deutschland, weiteren NATO-Mitgliedstaaten sowie verschiedenen Staaten Osteuropas, Nordafrikas und des Nahen und Mittleren Ostens zusammen. Die sich unter den Vertretern befindenten deutschen rekrutieren sich aus dem Körber-Netzwerk Außenpolitik, einer Gruppe ausgewählter jüngerer Mitarbeiter der Bundesregierung, des Bundestages sowie verschiedener Think Tanks und Unternehmen. Dr. Klaus Wehmeier, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Körber-Stiftung: „Der Munich Young Leaders Round Table ist eine innovative Ergänzung des Körber-Netzwerks Außenpolitik, in dem wir seit drei Jahren einen kleinen Kreis jüngerer Berliner Außenpolitiker fördern. Mit dieser Kooperation bieten wir zukünftigen Entscheidungsträgern die Chance, Impulse in den sicherheitspolitischen Diskurs einzubringen und ihre Netzwerke zu stärken“.(4)
Ganz dem Motto der Konferenz nach: „Frieden durch Dialog“.
„Seit 2002, als es erstmals zu Massenprotesten der Antikriegsbewegung gegen diese Militärtagung kam, sind die Organisatoren der Tagung darum bemüht, sich gegen die Vorwürfe zu rechtfertigen, die Münchner Sicherheitskonferenz diene der Vorbereitung und Propagierung von weltweiten Kriegseinsätzen der NATO-Staaten. Um der NATO-Tagung einen friedenspolitischen Anstrich zu geben, erfanden die Veranstalter ein neues Konferenz-Motto: „Frieden durch Dialog““(5).
In diesem Sinne stehen die Bemühungen, um die von Ischinger betonten Forderungen, im Interview der Woche vom 17. Januar des Südwestrundfunks (6), die USA müsse direkte Gespräche mit dem Iran aufnehmen und das „seit 30 Jahren bestehende Tabu der Beziehungen zu Teheran“ überwinden. Er erwarte, sollten die USA sich als „konsensbildende Führungsmacht“ etablieren indem sie auf die „Kraft der Argumente“ setze, eine Verbesserung der transatlantischen Beziehungen.
Mit dem Bezug auf Afghanistan sprach Ischinger sich für eine „schlagkräftige und abschreckungsfähige militärische Präsenz“ aus und unterstrich in Afghanistan würden die USA auch unter Obama ihre Truppen verstärken. Auch auf Deutschland kämen sicherlich neue Anforderungen zu. Um sich dann aber doch versöhnlich, und frei dem Motto „Frieden durch Dialog“, zu zeigen setzt Ischinger nach:„ Die nicht-militärischen Mittel und Wege sind in der Regel eigentlich noch wichtiger als die militärischen.“ Der Konflikt in Afghanistan müsse politisch gelöst werden, militärische Lösungen führten nur zur Lösung militärischer Probleme.
Doch bei aller Bemühung von Ischinger, den scheinbar Gutmenschen der Körber-Stiftung und den zu erwartenden „tollsprech“ unserer Frau Bundeskanzlerin, wissen wir, um was es bei der Sicherheitskonferenz wirklich geht.
NICHT UM SICHERHEIT, SONDERN UM KRIEGSVORBEREITUNGEN !
Hier werden Militärstrategien koordiniert, weltweite Interventionspläne abgesprochen, Kriegskoalitionen geschmiedet und sich über Rüstungsgeschäfte unterhalten. In den letzten Jahren wurden hier der Golfkrieg 1991, der völkerrechtswidrige Angriffskrieg gegen Jugoslawien 1999, der „Krieg gegen den Terror“ in Afghanistan seit 2001 und im Irak seit 2003 ausgehandelt.
Aus dem Protestaufruf des Münchener-Friedensbündnis:
„Die wirtschaftlich und politisch Mächtigen der Welt, insbesondere der USA, Deutschlands und der anderen EU-Staaten beanspruchen für sich das Recht „auf ungehinderten Zugang zu Märkten und Rohstoffen in aller Welt“ (Wortlaut der verteidigungspolitischen Richtlinien der Bundeswehr). Sie wollen ihre wirtschaftlichen Interessen und globalen Machtansprüche auch mit militärischer Gewalt durchsetzen. Folgen einer solchen Gewaltpolitik sind globale Verarmung, Zerstörung demokratischer und sozialer Rechte und die Vernichtung natürlicher Lebensgrundlagen.
Im Rahmen ihrer gemeinsamen Außenpolitik setzen die Regierenden Deutschlands und der anderen EU-Staaten auf die Militarisierung und Abschottung Europas. Dazu gehören die Interventionstruppen, ebenso die rassistischen Ausländergesetze, die faktische Abschaffung des Asylrechts und die Errichtung von „Auffanglagern“ in Nordafrika. Vor den Toren Europas herrscht tödliche Gewalt gegen MigrantInnen.
Eurer Politik setzen wir weltweit Widerstand entgegen. Die NATO-Militärtagung verdient wie in den vergangenen Jahren eine gebührende Antwort: Massenhaften Protest und Widerstand!
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Stoppt die weltweite Kriegs- und Besatzungspolitik der NATO-Staaten
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Für ein soziales Europa – Keine EU-Militärmacht
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Keine Auslandseinsätze der Bundeswehr – Gegen jegliche deutsche Kriegsunterstützung
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Internationale Solidarität gegen Ausbeutung, Unterdrückung und Rassismus
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Öffnung der Grenzen statt Stacheldraht und Lager – Fluchtursachen bekämpfen
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Abrüstung und Umverteilung von oben nach unten statt sozialer Demontage“
Mehr: www.muenchner-friedensbuendnis.de
Bereits zum achten Mal kündigt das Aktionsbündnis gegen die NATO-Sicherheitskonferenz eine Großdemonstration (den 7. Februar) gegen die Kriegspolitik an. In diesem Jahr sind die Münchner Proteste bundesweit zugleich Auftakt zur internationalen Mobilisierung gegen den NATO-Gipfel zum 60. Geburtstag des westlichen Militärbündnisses in Strasbourg und Baden Baden.
Mehr: sicherheitskonferenz.de
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http://www.focus.de/magazin/kurzfassungen/focus-merkel-eroeffnet-sicherheitskonferenz_aid_364927.html
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http://www.akweb.de/ak_s/ak535/05.htm
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http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/themen/Sicherheitskonferenz/2009-presse.html
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http://www.koerber-stiftung.de/internationale-politik/politische-fruehstuecke/presse/pressemeldungen/presse-details-int-pol/artikel/koerber-stiftung-und-muenchner-sicherheitskonferenz.html
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http://www.muenchner-friedensbuendnis.de/archiv/Siko/06GegenSiko.php
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http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/interview-der-woche/-/id=659202/nid=659202/did=4267246/1wtfd84/index.html